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Zwischen den Jahren

Das alte Jahr liegt mit den weihnachtlichen Festtagen in den letzten Zügen. Silvester und das neue Jahr sind nun zum Greifen nah. Im Fernsehen werden die ersten Jahresrückblicke ausgestrahlt, und auch wir selbst fangen langsam an auf das scheidende Jahr zurückzublicken, und vielleicht auch schon Pläne für das neue zu machen. Ganz besonders „zwischen den Jahren“, wenn sich für die meisten von uns die Welt ausnahmsweise mal nicht ganz so schnell zu drehen scheint, haben wir die Gelegenheit ein wenig zu reflektieren.

Hätten Sie’s gewusst: Der Zeit „zwischen den Jahren" wurde in der Vergangenheit magische Eigenschaften zugesprochen. In der Mythologie der meisten europäischen Länder, galten die zwölf sogenannten Raunächte, zwischen Heiligabend und Heilige Drei Könige, als eine Zeit in der Geistwesen und Seelen ungehindert durchs Land streiften.

Alte Rituale und Aberglauben sind entstanden, um diese Geister nicht zu erzürnen. Besonders Wäsche waschen war „gefährlich“, denn an den aufgehängten Leinen könnten sich die Geister verfangen und so ein ganzes weiteres Jahr bleiben. Daher musste auch die Spinnadel ruhen, sowie die meisten Räder. Unordnung war zu vermeiden, denn sie zog das Böse magisch an. Das Haus wurde regelmäßig ausgeräuchert, um die reisenden Geister zu vertreiben. Es wurde sogar geglaubt, dass Tiere in dieser Zeit um Mitternacht sprechen konnten, um sich bei dem Hausgeist über ihren ungerechten Herrn zu beklagen. Im schlimmsten Fall wurde dieser dafür im nächsten Jahr bestraft.

© Konstantin Yuganov / Fotolia

Unser heutiger Brauch, zu Silvester ordentlich Lärm durch Feuerwerk zu machen, lässt sich übrigens auch auf den Glauben rund um die Raunächte zurückführen. Wenn zur Silvesternacht, genau in der Hälfte der Raunächte, die Wilde Jagd der Geistwesen begann, halfen Lichter, Feuer, Rauch und viel Krach dabei, das Unheil von sich abzuwenden und die Schar zu vertreiben.

Spannend ist, dass man den Geistern aber nicht unbedingt böse war. Ihre Anwesenheit wurde als Selbstverständlichkeit hingenommen. Es galt eben achtsam zu sein und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Dankbar war man sogar über die Magie der Geister, die für Orakel und Weissagungen für das neue Jahr benutzt wurde.

So sprach man beispielsweise den Träumen in den 12 Nächten zwischen Weihachten und dem Heilige drei Königstag eine besondere Kraft zu. Jeder Traum für sich, sollte je einen Monat des kommenden Jahres voraussagen. Auch heute noch wird gesagt, dass man in dieser Zeit intensiver und deutlicher träume.

Die Raunächte nehmen wir heute nicht mehr ganz so ernst wie damals. Dennoch lässt sich aber behaupten, bringen sie ein bisschen Weisheit mit sich. Die Zeit zwischen den Jahren ist schließlich ein Übergang -ein Ende und ein Anfang. Und genau das ist der richtige Anlass um sich mit seinen eigenen „Geistern“ auseinander zu setzen. Wenn man in dieser Zeit also bewusst Maßnahmen ergreift um sich von seinen Altlasten zu befreien, zu reflektieren und zur Ruhe zu kommen, hat man einen klaren Kopf sich auf die Zukunft zu besinnen und nach vorne zu schauen. Und ein bisschen Ordnung im Haus schadet dabei ganz gewiss nicht. 😉

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen geruhsame und befreiende Raunächte!

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